Donnerstag, 10.Oktober 2013

Heute ist ein sehr chaotischer Tag. Ich fuhr direkt nach dem Frühstück nach Brisbane in die Stadt. Denn heute habe ich noch ein kleines Jobinterview offen, das ich am Freitag von Phil (GreenPeace) erhalten habe. Ich fuhr viel zu früh los und hatte gute Gedanken und Gefühle. Denn letzte Nacht habe ich mich noch gründlich über GreenPeace informiert und mir alle möglichen Zahlen und Fakten zu mir gezogen. =) In Brisbane angekommen suchte ich das Gebäude, wo es stattfinden sollte an der St. George Street, und fand es nach kurzer Zeit…

An dem Gebäude ankommend sah ich 4 andere Backpacker, die auch UM DIESELBE Zeit ein Jobinterview haben. Wir tauschten uns aus, wie wir an das Job-Interview gekommen sind und was wir uns erhoffen und versprechen. Es stellte sich heraus, dass alle das Job-Interview am selben Tag und auf dieselbe Art und Weise bekommen haben. Das fanden wir alle sehr unseriös. =S

Nach und nach trudelten immer mehr Leute herein – bis zu 33 Leute bzw. Backpacker kamen zum Job-Interview. Ich fühlte mich plötzlich total komisch und fand die ganze Sache sehr unseriös. Ich dachte mir aber, dass ich eine große Konkurrenz habe und ich jetzt nicht aufgeben soll. Nach zwanzig Minuten Verspätung kam Phil endlich dazu und ließ uns in einen ganz großen Saal upstairs, wo das  Job-Interview nun stattfinden soll. Wir saßen alle in einem Kreis auf Stühlen, während Phil vorne an der Tafel die ganze Geschichte von GreenPeace und den ganzen Umweltkatastrophen, Massentierhaltungen und Schlachthöfen gesprochen hat. Er hat 2,5 Stunden ununterbrochen in einem furchtbaren australischen Akzent und superschnell gesprochen, dass ich echt Mühe hatte ihm zu folgen. Es war kein wirkliches Job-Interview – es war eher ein Monolog, was man zu tun hat, wenn man den Job bekommen sollte. Zwischendurch wurden zwar Fragen gestellt, die er aber dann meistens selbst beantwortet hat, weil er nicht warten konnte, bis jemand die Hand hebt und ihm seine Gedanken dazu schildern kann.

Zum Schluss erzählte er uns von den Möglichkeiten, die man hat, wenn man diesen Job erhält. Man KANN bis zu 3000 Dollar pro Woche verdienen. Er zeigte uns eine Tabelle, wie viel man verdient, wenn man welchen Job macht. Es war eine Pyramidenförmige Tabelle, die die ganzen Zahlen, die man verdienen KANN darstellt. Alles schön und gut – die ganze Sache hat aber einen HAKEN! Es ist eine Kann-Tabelle. Um 15 Dollar die Stunde zu verdienen, musst du als Fundraiser MINDESTENS 150 Neumitglieder erworben haben. D.h. also, dass dein Gehalt von deiner „guten Leistung“ und von deiner Überredungskunst abhängt. Realistisch gesehen verdient man nicht mehr als 2 Dollar pro Stunde. Natürlich wurde das nicht gezeigt, sondern nur durch mehrere Fragen von uns Backpackern langsam durch Gestik und Kopfnicken gezeigt – aber nicht gesagt. Es ist sehr unseriös und der schlecht bezahlteste Job überhaupt (wie sich nach ein paar Wochen im Austausch mit anderen herausstellte) =)

Nach den 2,5  Stunden gab es eine kleine Raucher- bzw. Toilettenpause. Diese Gelegenheit nutzte ich und noch gefühlte 20 andere auch, um zu gehen. Es waren nämlich zum Ende hin nur noch 6 Leute nach der „Pause“ dort und haben den Job dort sehr ernst genommen bzw. immer noch nicht verstanden, dass das nicht nur unseriös und Schwarzmarkt ist, sondern Ausbeutung.

Nach mehreren Gesprächen vor der Haustür mit den anderen Backpackern, die das „Job-Interview“ mit mir zusammen hatten, haben noch nie so etwas dummes, unseriöses und hinterhältiges gesehen bzw. erlebt, wie das von GreenPeace.

Mit Romina Janine ging ich noch zum Supermarkt Coles und unterhielt ich mich sehr lange über die Jobsuche in Australien. Sie hat auch sehr viele negative Erfahrungen gemacht, was die Jobsuche anbelangt. Denn sie hat in Charlesville im Outback für zwei Monate in einem Pub gearbeitet – hat auch gutes Trinkgeld kassiert und alles. Allerdings hat sie während der Arbeit sich das Bein gebrochen (Ist beim Servieren von Essen über eine Treppenstufe gestolpert und ungünstig auf beide Knie gefallen). Das rechte Bein war gebrochen und beide Kniescheiben waren schief bzw. aus den Kreuzbändern gerissen. Sie ist zwar ins Krankenhaus geliefert worden und wurde dort auch für zwei Tage behandelt. Allerdings gab es kein Gips oder ähnliches, sondern nur ein Verband. Sie hat die Schmerzen nach vier Tagen nicht mehr ausgehalten, sodass sie wieder zurück nach Deutschland geflogen ist und sich dort hat operieren lassen. In Australien hätte sie es nicht bezahlen können bzw. sie hätte tausende von Dollar hinblättern müssen, um die OP zu bekommen. (Sie hatte keine Mastercard oder ähnliches mit nach Australien genommen, weil ihre Eltern es nicht für sicher hielten.) Jetzt ist sie wieder zurückgeflogen, weil sie das Workn´holiday-Visa nicht einfach davonlaufen lassen möchte – und jetzt auf der Suche nach einem Job, um dort für längere Zeit bleiben zu können und vielleiht sogar verlängern zu können.

Nach einem kurzen Abstecher in Pauls Büro machte ich mich langsam auf dem Weg zur Bushaltestelle und nahm den vorletzten Bus nach Brookfield zu Maria Kerns Haus und ins Bett.=)

Hier schlafe ich! =)

Hier schlafe ich! =)

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