Dienstag, 1.Oktober 2013

Nach dem Frühstück verabschiedete ich mich nun auch von Janine. Sie reist nun weiter nach Nimbin. Dort hat sie eine WWOOFing-Farm gefunden, wo sie für minimal 2 Wochen bleiben wird. =)Ich machte mich um 10 Uhr nachdem ich im Hostel ausgecheckt habe auf dem Weg nach Yeerongpilla zum Gehörlosenzentrum. Ich fuhr wieder mit dem Zug dorthin und lief das letzte Stück mit gesamten Rucksack hin. Es war sehr anstrengend, weil es schon wieder anfing sehr heiß zu werden. Dort angekommen meldete ich mich an und wartete auf Petra mit der ich das Interview hatte.

Statt Petra kam eine andere Frau auf mich zu und fragte mich, ob wir das Interview auch im Foyer machen könnten. Ich sagte, dass das für mich kein Problem ist – komisch kam mir das trotzdem rüber. Dann ging sie auch ziemlich schnell zur Sache. Sie sagte mir direkt, dass sie mir nicht helfen könnte, weil ich 1. Keine australische Staatsbürgerin bin und 2. Nur ein Workn´holiday-Visum habe und nicht länger als 1 Jahr hier gelebt habe. So wurde mir wieder die Hoffnung und die Sicherheit genommen, die ich mir soeben aufgebaut habe. Ich war den Tränen nahe und wusste kurze Zeit nicht mehr weiter. Als die Frau sich öfter entschuldigte und auf mir einredete und sagte, dass ihr die Hände gebunden seien, weil das so vom Staat Queensland vorgeschrieben ist, sagte ich nur: „ It´s okay. You can´t help! Have a nice day!“ und verabschiedete mich knapp.

Als ich draußen war, verstand ich eins nicht: Warum ist es eigentlich so wichtig, welche Staatsbürgerschaft man hat?! Ist es nicht egal, wo man aufwächst und was man ist. Dieses ich bin Deutsche, Engländerin, Araberin, Chinesin oder Australierin finde ich echt schwachsinnig. Wir sind doch alles Menschen und haben alle das Gleiche Recht auf Hilfe, egal, welchen Pass man hat. So kam mir das Wort WIRTSCHAFT wieder in den Sinn. Es ist ein reiner Wirtschaftsfaktor, der die Barrieren aufbaut. Wenn sie mir helfen würden, würden sie dem Staat nicht helfen, sondern nur die Einwanderungswellen, was sie ja vermeiden wollen. Ich lief durch die Straßen bis zum Bahnhof und wünschte mir zum ersten Mal, dass ich jemanden neben mir habe, bei dem ich mich ausheulen konnte.

Als ich in der Bahn saß und mich einigermaßen aufgerappelt habe, fuhr ich nach Kenmore / Brookfield zu Maria. Ich schrieb ihr, dass ich gerne für ein paar Tage bei ihr bleiben möchte und wirklich dringlich Hilfe brauche, um einen Job zu suchen. Sie sagte, dass ich zu ihr kommen soll. Mit Sack und Pack machte ich mich auf in den nächsten Bus 435 nach Brookfield und stieg an der Boscombe Road aus und lief drei Kilometer durch den Busch zur Hausnummer 109. Den ganzen Pfad hinunter bis zum Haus und wartete auf Maria bis sie mit ihrem Patienten fertig ist. Sie zeigte mir mein Zimmer und sagte mir, dass ich für maximal 2 Wochen hier bleiben dürfte, bis ihre Tochter Anna und ihr Mann Nick wieder aus Amerika zurückkommen (Sie sind für 2 Wochen in Amerika eine Freundin zu besuchen und bei den Hochzeitsvorbereitungen der Freundin zu helfen). Ich setzte mich erst einmal hin und habe zum ersten Mal verschnaufen können – wir aßen auf der Veranda zu Mittag.

Meine neue Heimat für die nächsten Tage...

Meine neue Heimat für die nächsten Tage…

Maria sagte mir, dass sie mir helfen möchte, ich ihr aber auch helfen muss, da sie momentan in einer sehr schwierigen Phase ist. Sie arbeitet in ihrer Praxis sehr viel und schreibt in drei Wochen eine ganz wichtige Klausur in Mikro-Biologie und hat bisher noch nicht viel für getan. Ich werde dann den Haushalt machen und ein wenig im Garten helfen – so bezahle ich jetzt nur 100 $ pro Woche dafür, dass ich hier drei Mahlzeiten bekomme und schlafen kann. Es ist für mich in Ordnung. =) Ich bin zufrieden und glücklich darüber, dass ich jemanden so wie Maria kennenlernen durfte.

Zu Maria: Sie ist eine wirklich unverwechselbare, intellektuelle und interessante Persönlichkeit. Sie ist sehr religiös und glaubt an Gott und Jesus (sie betet vor dem Essen) Ich kann mich sehr gut mit ihr unterhalten. Sie ist sehr offen für alles und sie ist eine typisch Deutsche. Du kannst ihr auch mal deine Meinung sagen und das ist in Ordnung – bei ihr muss man nicht vorsichtig sein oder ähnliches. Maria ist es aber auch zu dir! Sie weiß, was sie will und akzeptiert jeden, wie er ist und nimmt ihn auch so wie er ist. Sie ist in ihrer Praxis sehr busy.

Als erstes hat sie Masseurin gelernt, dann ist sie auf Heilpraktikerin umgestiegen. Jetzt hat sie eine eigene Praxis neben ihrem Haus, wo sie Kinder, Jugendliche, Erwachsene und alte Menschen durch verschiedene Therapien ohne irgendwelche „Drogen“ heilen möchte z.B. bei Kindern mit ADHS.

Dadurch, dass sie sehr stark religiös ist, glaubt sie auch daran, dass gehörlose von ihrer Gehörlosigkeit geheilt werden können. Ich finde ihren Glauben daran bewundernswert – so lange ich nicht daran glauben muss, ist das in Ordnung für mich. =)

Zu Abend haben wir noch gemeinsam gekocht und gequatscht. Wir konnten uns sehr gut austauschen und haben den gemeinsamen Abend genossen. An dem Abend ging ich aber schon um 23 Uhr ins Bett.

Blick aus dem Fenster - direkt in den Busch!!

Blick aus dem Fenster – direkt in den Busch!!

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