Samstag, 5. Oktober 2013

The Barn House (Dollies Heimat)

The Barn House (Dollies Heimat)

Heute ist Samstag – ein normaler Werktag -. Und ich wusste nicht, was ich mit dem heutigen Tag anfangen sollte. Ich wusste nur, dass ich dringend Arbeit brauchte. So bin ich dann noch mal in die Stadt gefahren. Ich packte meine Sachen zusammen und ging die Boscombe Road herunter bis zur Bushaltestelle. Als ich die Straße herunterging sah ich unterwegs plötzlich eine Kuh in einem Vorgarten. Ich ging zu ihr zum Zaun heran und streichelte die Kuh, denn sie tat mir schon ein wenig Leid, dass sie so ganz alleine in einem Vorgarten herumstand und keine Gleichgesinnten hatte. Plötzlich kam eine junge Frau (etwa in meinem Alter) heraus und fragte mich, ob alles in Ordnung sei und wir kamen ins Gespräch. Sie ist auch Backpackerin aus England und ist durch mehrere Zufälle nun hier bei der Familie gelandet, wo sie das Haus aufräumen und entrümpeln soll. Nun ist sie aber auf der Suche nach einem anderen Job, da er dort wohl sehr schlecht bezahlt ist und es sie langsam langweilt. Nun ließ sie mich herein und ich durfte die Kuh Dolly richtig streicheln und auch füttern. Sie zeigte mir das „Weihnachtsessen“ und noch andere Tiere, die hinter dem Haus in kleinen Käfigen waren. Ich fand den Anblick der Hühner und der Schweine schrecklich. Es brach mir echt das Herz zu sehen, wie sie leben und wie sie ohne Worte – nur durch Blicke – nach Hilfe schreien. Ich hätte sie am Liebsten mitgenommen und getan was ich konnte. Aber ich wusste nicht, wie ich denen helfen sollte – zum ersten Mal in meinem Leben sah ich weg und sagte nur noch zu der Backpackerin, dass es Zeit ist zu gehen und ihr Arbeitgeber sein Werbeplakat „Fresh Eggs from the Bush“ mal überdenken sollte. Nun verabschiedete ich mich von ihr und machte mich auf dem Weg zur Bushaltestelle.

Kuh "Dolly"

Kuh „Dolly“

Ich ging dieselben Straßen herunter und lief durch die Stadt- mittlerweile kenne ich mich in Brisbane so gut aus, dass ich anderen Backpackern helfen kann, wo was ist (Ich wurde unterwegs gefragt). Ich war zum ersten Mal stolz darauf nicht als Backpacker erkannt zu werden, sondern als einheimische Australierin bzw. Brisbanerin. =)

Nun sah an der George Street einen Jobcenter (Bskilled Patrick Rowland) und dachte mir – wahrscheinlich ist das da auch wieder nichts – aber ich habe ja nichts zu verlieren. Also – nichts wie rein. Keine fünf Minuten später hatte ich ein Jobangebot. Ich kann, wenn ich möchte und mich innerhalb der nächsten Stunde entscheide in Jandowae (5 Stunden westlich in das Landesinnere – hinter Toowoomba (nähe Dalby) – in einem traditionellen Pub arbeiten. Ich würde 38 Std. die Woche für 250 AUS $ arbeiten und hätte kostenlose Unterkunft und Verpflegung.

Es hört sich sehr verlockend an. Allerdings fängt er erst am 22.Oktober an. Ich ging eine Runde um den Block, um nachzudenken, ob ich den Job jetzt nehmen soll oder nicht. Denn der Job erscheint mir sehr unseriös und der Jobcenter erscheint mir auch sehr unseriös. Denn es gab keine Papiere, keine Schriftdokumente, keine Unterschriften – gar nichts.. Es war alles mündlich und per Telefon.

In Australien sollte man am Besten nach Stundenlohn arbeiten bzw. Arbeit suchen und nicht nach einer Bezahlung nach Wochen und Körben (Fruitpicking). Denn das ist mehr als nur Abzocke. (Ein guter Freund ist in Young auf einer Kirschfarm und hat vier Körbe voll gepflückt. Pro Korb bekommt man 11 Dollar. Hört sich auch verlockend an. Für einen Korb braucht man aber im Durchschnitt 2,5 Stunden. Das heißt, dass der Stundenlohn quasi mehr als unter dem Mindestlohn liegt. Der Mindestlohn in Australien beträgt 10 Dollar pro Stunde. Man soll niemals für unter 10 Dollar die Stunde arbeiten. 25 Dollar die Stunde ist ein sehr guter Job für Backpacker. Denn ein guter Otto-Normal-Verdiener in Australien verdient pro Stunde 25-30 Dollar. =) Nach langem Hin und Her –  entschied ich mich aber für den Job und sagte zu. Absagen kann ich ja immer noch, wenn ich nicht mehr wollte oder etwas anderes bzw. besseres finde.

Nun ging ich sehr glücklich und mehr als nur zufrieden zurück zum Bahnhof, um in aller Ruhe zurück zur Boscombe Road zu fahren, um zum Haus von Maria zu gelangen. Ich ging die Straße herauf und Maria kam mit ihrem Auto entgegen. Sie hielt an und fragte mich, ob ich heute Abend bzw. Nacht Zeit hätte?! Ich sagte, dass ich Zeit aller Welt hätte. Sie hatte einen Job für mich für heute Nacht. Ich kann für ihren Freund bei einem Catering-Service auf einer Hochzeit arbeiten. Allerdings ist es Pflicht, dass die Arbeitskräfte eine schwarze Hose und schwarze Schuhe haben. Ich habe aber leider keine dabei – bzw. nur welche in Deutschland schön brav im Kleiderschrank liegen. Zum Verschicken ist es zu teuer und die Zeit zu knapp. So blieb mir nur noch eine Möglichkeit – einkaufen und shopping!!!=)

Ich sagte den Job direkt zu und machte mich kehrt und fuhr erneut wieder in Richtung Stadt. Dieses Mal aber nicht in CBD, sondern einfach nur nach Indooroopilly. Indooroopilly ist ein riesiges Einkaufszentrum für den westlichen Teil von Brisbane (vergleichbar mit Limbecker Platz in Essen oder Centro in Oberhausen). Ich lief direkt zu Target (Das H&M von Australien) und fand innerhalb von drei Minuten eine leichte lange schwarze und schlichte Jeans und schwarze schlichte, aber schöne Ballerinas. Selten habe ich für einen Einkauf so kurz gebraucht, dass ich dann noch Zeit hatte den Rest des Einkaufszentrums zu besichtigen. So viele tolle Hippie-, Surfer- und Beachgeschäfte gibt es hier. Ich wünschte, dass es die auch in Deutschland gäbe. Ich würde hier wirklich die halben Läden (die weibliche Seite;)) immer aufkaufen. Kurz bevor ich nach Deutschland zurückfliegen werde, werde ich alle meine Deutschen Sachen wegwerfen und kräftig shoppen gehen. =) Auffällig ist hier auch, dass sie ganz viele Bäckereien und Konditoreien haben. So viele leckere Kuchen und Cupcakes. =) Soo lecker und so verführerisch…

 

Yummi yummi...

Yummi yummi…

In Deutschland würde niemand in einem Einkaufszentrum mit einem Einkaufswagen durch die Gegend fahren – denn das wäre ja Diebstahl. Hier in Australien sind die Einkaufswagen auch nicht mit Einkaufschips „gesichert“, sondern man kann sich einen Einkaufswagen einfach an jeder Ecke holen und damit durch das ganze Einkaufszentrum laufen und wenn es sein muss auch über die Straße nach Hause schieben. Die Einkaufswagen sind zwar Eigentum von dem Shoppingcenter, aber man kettet die nirgendwo fest, sondern verlässt sich auf die Bürger, dass sie diese wieder zurückbringen. So sieht man hier schnell den einen oder anderen mit einem Einkaufswagen durch die Gegend chauffieren. =)

Einkaufszentrum

Einkaufszentrum

Nun geht es für mich wieder zurück nach Brookfield „nach Hause“ und ich machte mich dort fertig für den ersten Job in Australien. Schwarze Hose, schwarze Schuhe und schwarzes Top, die Haare streng zusammengebunden, gut geschminkt und Hände für alles griffbereit.

Lee brachte mich dorthin. Lee ist der Mann von Paula. Paula ist eines der Töchter von Maria. =) Lee hat für mehrere Jahre für  den Catering-Service in Brisbane gearbeitet und hat mir mehr oder weniger den Job dort besorgt. =) Nach mehreren Gesprächen mit Jerome Dalby (der Boss vom Catering Service) wurde ich dann in die Arbeit eingewiesen und ich stellte mich den anderen „Kolleginnen“ vor. Unsere Aufgabe war es, die Leute mit Getränken zu versorgen, die Gläser abzuräumen, die Theke sauber zu halten, Gläser zu spülen und das Essen wieder zu bringen bzw. wieder abzuräumen. Es machte sehr viel Spaß und ich habe mich sehr gut mit den anderen Kolleginnen verstanden.

Wir waren vier Mädls, die Aushilfskräfte waren. Die anderen fünf aus dem Team waren Köche bzw. Köchinnen und hatten nicht so viel mit uns Service-Kräften zu tun.

Als Empfang servierten wir den Gästen Sekt und zwei verschiedene Cocktails. Eines ist mit und das andere ist Jazz (australisches Cocktailgetränk – schmeckt echt „gewöhnungsbedürftig“=(). Jill (Heute ist auch ihr erster Arbeitstag) und ich hatten die Aufgabe die Gläser damit aufzufüllen bzw. die Bowls (Flaschen) immer aufzufüllen, wenn es halbleer (laut meinem Boss nicht halbvoll) ist. =) Jill und ich hatten so gut wie gar keine Ahnung davon, dass es zwei verschiedene Getränkesorten sind und füllten einfach alles mit meistens dem falschen Getränk auf. Dummerweise mischten wir die beiden verschiedenen Bowls damit in den Flaschen. =) Als wir das gemerkt haben, war es schon zu spät und alles war schon vermischt. Wir wollten nicht schon nach einer Stunde Probleme mit den anderen haben und haben es so gut wie es geht vertuscht. =) Nach der Arbeit haben wir uns vor lauter lachen gar nicht mehr eingekriegt. Denn nach unserem eigenen Test – gemischt schmeckte es mehr als nur mies.) Natürlich weiß das bis heute niemand aus dem Team. =)

Nach unserer ersten Panne waren wir beide mehr als nur vorsichtig und haben fast nur noch Flaschen eingesammelt und das Essen geliefert bzw. abgeräumt. Hinter der Theke wollte ich dann nicht mehr unbedingt arbeiten. =) So tauschten wir mit den beiden anderen Mädls, die schon länger dort arbeiten unsere Jobpositionen. =)

Die Hochzeit war wirklich wunderschön. Sie fand unter freiem Sternenhimmel statt und es war wunderschön alles in weiß geschmückt. Es war eine entspannte und lockere Hochzeitsfeier. Die Freunde haben sich für das Paar echt tolle Ideen als Geschenke und auch als Aktionen einfallen lassen und niemand hatte schlechte Laune. Es gab eine richtige Tanzfläche. =) Jill und ich kamen uns ein bisschen wie im amerikanischen Happy-End-Film vor. Dadurch, dass wir aber arbeiten mussten  wurde das Hollywoodfeeling ein bisschen abgeschwächt. =) Es gab sogar eine Liveband, die besser trinken, als spielen konnte *hihi*– trotzdem echt nicht schlecht waren, je mehr sie intus hatten. =) Also „australisch“ und unterm freien Sternenhimmel zu heiraten hat schon etwas und es gefällt mir sehr gut. =) à Timo, keine Hoffnungen! Ich werde trotzdem nicht heiraten wollen.. =)

Nachdem jetzt alle ihr Menü zu sich genommen haben und alle gut mit Getränken versorgt waren und die letzten gegangen sind, konnte auch ich nun Feierabend machen. Ich aß mich am nicht gegessenem Hochzeitsessen satt. Danach rief ich Maria an und sie holte mich in Brisbane ab. Wir fuhren nach Hause. Nun ist mein erster Arbeitstag in Australien um und ich habe ab Montag wieder ein bisschen mehr Geld auf meinem australischen Konto – und ganz viele tolle Eindrücke auf meinem Lebenslauf-Konto. =)

Vor lauter Erschöpfung schlief ich nach zehn Minuten in meinem Prinzessinnenbett ein. =)

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